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Street Style – auffallen, gesehen werden


September 1, 2014 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Mode


Bigstock George D. ID-69935737

Auffallen durch einen individuellen Look, mutige Kombinationen, Farb- und Materialmix, Casual-Outfits, die es so noch nicht gegeben hat – all das ist Street Style. Die Looks von der Straße revolutionieren zur Zeit die Fashion-Welt und dienen großen Modehäusern und Designern als willkommene Inspirationsquelle für ihre neuen Kollektionen.

Es gibt kaum ein Frauenmagazin, das noch keine Street-Fashion-Beilage publiziert hat. Inzwischen finden sich in der Modebranche Fotografen, die sich auf Street-Wear-Fotografie spezialisiert haben. Der große Vorteil dabei ist, dass sie kein Model buchen müssen. Ihre Motive und Looks finden sie dort, wo viele Menschen sind – im Großstadtdschungel der internationalen Metropolen. Streetstyle tragen kann jeder, der gerne auffällt, kreativ mit Mustern, Farben und Stoffen umgeht und einen eigenen Stil hat. Blogs, auf denen ausschließlich Street Fashion präsentiert wird, boomen – der „klassische“ Fashion Blog hat es dagegen schwer, gleiches gilt für Hochglanzmagazine. Es sind die Blogger, die heute in Sachen Modetrends den Ton angeben. Die bekanntesten von ihnen verdienen monatlich tausende von Euros, berühmte Labels und Designer reißen sich um Kooperationen mit ihnen.

Streetstyle – was macht ihn so besonders?

Früher assoziierte man den Begriff „Streetstyle“ eher mit dem äußeren Erscheinungsbild von Jugend- und Subkulturen wie Punks, Rapper, Rocker, Emos usw. Diese Gruppierungen wollten sich durch ihren Style von der breiten Maße abgrenzen. Es ging jedoch nicht nur um Mode, sondern auch um eine politische Einstellung, um Protest gegen das System oder um mediale Aufmerksamkeit.
Der neue Style der Straße ist jedoch ganz anders. Er ist Selbstzweck. Trotzdem oder gerade deshalb lässt er sich schwer definieren und in bestehende Kategorien einordnen. Unkonventionell und individuell muss ein Outfit sein, um es vor die Linse der Fashion-Jäger zu schaffen. Gerne dürfen bestehende Modetrends neu interpretiert oder, noch besser, ungeschriebene Style-Gesetze gebrochen werden. Sneakers zum Tutu, Boyfriend-Hose zum Shirt mit Hello-Kitty-Aufdruck oder Oma-Pullover zur neongelben Skinny-Jeans? Geht alles. Sogar Socken in High-Heels sind nicht länger ein Tabu. Die Kunst besteht darin, ein Outfit so aussehen zu lassen, als wäre es völlig beliebig zusammengestellt worden. Aber das ist natürlich nicht der Fall. Street-Style-Profis wissen genau, was sie tun und welchen Effekt sie mit welchem Accessoire erzielen. Letztere spielen generell eine große Rolle, weil sie sich immer wieder neu kombinieren lassen. Eine schlichte, einfarbige Umhängetasche wirkt edel zum kleinen Schwarzen. Wird sie zu einem sportlichen Kleidungsstück getragen, ist das ein unerwarteter, aber willkommener Stilbruch. Street Style ist jedoch mehr als Mode. Es geht dabei um die Umsetzung eines Lebensgefühls. Immer mehr junge Fashion-Fans wollen sich nicht länger vorschreiben lassen, wie Mode funktioniert und wie nicht. Sie möchten ihren Stil, ihre Persönlichkeit durch ihre Kleidung immer wieder neu interpretieren und in Szene setzen. Dabei geht es darum, Unerwartetes zu zeigen. Wer zur Street-Wear-Ikone aufsteigen möchte, braucht aber mehr als gute Ideen und Kreativität. Mut ist gefragt, genauso wie eine großzügige Portion Selbstbewusstsein. Auch ein leicht ausgeprägter Hang zur Selbstdarstellung schadet nicht, denn es kann durchaus sein, dass das eigene Foto plötzlich von heute auf morgen in allen sozialen Netzwerken auftaucht und dort gnadenlos von jedem, der sich berufen fühlt, bewertet wird. Die Mode von der Straße polarisiert oft, weil sie nicht unbedingt dem Massengeschmack entspricht. Trotzdem oder gerade deshalb ist sie im Begriff, die Modewelt zu revolutionieren.

Von der Straße auf den Laufsteg – neue Perspektiven für Nachwuchs-Models

Immer mehr junge Nachwuchs-Models werden nicht bei Castings entdeckt, sondern auf den Straßen. Sie machen sich den Street-Style-Trend zu Nutze, um Werbung in eigener Sache zu betreiben. Neben den Fotografen durchkämmen auch Model-Scouts auf der Suche nach neuen, frischen Gesichtern große Städte wie Berlin, London, New York und Tokyo. Der persönliche Style der Mädchen spielt dabei durchaus eine Rolle. Das ist auch der Grund, warum Blogger professionellen Models immer mehr den Rang ablaufen: Sie wirken auf viele Frauen und auch Männer authentischer als professionelle Laufstegschönheiten. Der alltägliche Chic wird zelebriert. Es hat fast den Anschein, als handele es sich bei den Protagonisten auf den Bildern um ganz normale, zufällig ausgewählte Menschen, die ihre Einkäufe erledigen oder auf dem Weg zur Arbeit sind. Das entspricht nur bedingt der Wahrheit, aber das weiß der Betrachter nicht und es kümmert ihn auch nicht. Daher ist der Fashion Blog für die Modeindustrie ein derart wichtiges Medium geworden. Denn eines ist sicher: Was die Blogger-Elite heute trägt, wird morgen zum Trend. Und wie fällt man als Nachwuchsmodel den Fotografen ins Auge? Wichtig ist es, etwas zu tragen, was zum eigenen Markenzeichen wird. Das kann ein bestimmter Stil sein oder ein Accessoire, was sonst niemand trägt. In jedem Fall sollte es einen hohen Wiedererkennungswert haben. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt die richtige Körperhaltung. Extreme Mimik-Experimente oder kokette Posen à la Marylin Monroe sind nicht angesagt. Street-Wear-Fotografen mögen es natürlich-nüchtern, unkompliziert und authentisch. Auch die Frisur sollte zum Stil passen: Extravagante Kleidung und ein biederer Haarschnitt vertragen sich nicht.

Fashion von der Straße – wirklich eine Revolution der Modewelt?

Genau betrachtet ist Street-Fashion nicht weniger inszeniert als Schauen auf dem Laufsteg oder Fotostrecken in Magazinen. Dem Betrachter wird lediglich suggeriert, dass es sich bei den Fotos um eine alltägliche Momentaufnahme handelt. Was den künstlerischen Aspekt der Mode angeht, so hat der Street-Style-Trend sicher einiges ins Rollen gebracht. Selten waren Looks so vielfältig, individuell und inspirierend. Die Modeindustrie ist demokratischer und liberaler geworden.

Bildquelle: (Bigstock George D. ID-69935737)

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