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Oscar de la Renta – Die Modeszene trauert


Oktober 27, 2014 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Model News


Geboren wurde Oscar de la Renta 1932 in einer bürgerlichen Familie in Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik. Als einziger Sohn der Familie, neben sechs Geschwistern, sollte er das Versicherungsunternehmen des Vaters übernehmen, aber dafür interessierte er sich wenig. Bereits mit 15 entwickelte sich sein Interesse an der Kunst und dem Traum Modedesigner zu werden, aber das hätte Oscar de la Renta seinem Vater nie offenbart, der vermutlich „tot umgefallen wäre„, wenn er den Berufswunsch seines Sohnes gekannt hätte. Mit 18 zog es ihn nach Madrid, wo er sein Kunststudium begann und sich vollends der Malerei widmete. Diese Liaison sollte allerdings nicht von langer Dauer sein, denn bald wurde sein Talent für Mode erkannt.

Der Beginn einer großen Faszination

1957 erhielt Oscar de la Renta ein Praktikum beim Madrider Modehaus Eisa und stieg schnell vom Illustrator zum Assistenten von Cristóbal Balenciaga auf. Sein Ruf weckte sehr bald das Interesse der großen Modehäuser außerhalb Spaniens und er bekam ein Angebot von Dior, welches er jedoch ausschlug. Der Reiz der französischen Haute Couture ließ ihn jedoch nicht los, weshalb er 1960 das Angebot von Lanvin annahm und als Assistent von Antoni Castillo begann. Aber auch in Paris hielt er es nicht lange aus und übersiedelte 1963 nach New York, um für Elizabeth Arden zu entwerfen.Der Unangepasste mit dem feinen Gespür für die Weiblichkeit
Vier Jahre nach seinem ersten Engagement in Amerika, gründete Oscar de la Renta sein eigenes Label, unter dem er zehn Jahre später auch Parfums kreieren sollte. Seine Mode bestach durch die hohe Schneiderkunst und die sorgfältige Verarbeitung, die er in Frankreich lernte und ein Leben lang beibehielt. Oscar de la Renta machte zwar Pret-a-portier, seine Mode galt aber als Haute Couture Amerikas. Ganz entgegen des amerikanischen Trends konnte er auch dem casual-chic nichts abgewinnen, der sich nicht mit seiner Vorstellung von femininer Eleganz vereinbaren ließ. Mitunter ein Grund für seinen ersten großen Erfolg – Jackie Kennedy, die Stilikone der 60er Jahre favorisierte seinen Stil und so begann die Karriere von Oscar de la Renta als Designer der First Ladys. Nach Jackie Kennedy folgten Nancy Reagan, Barbara Bush, Hillary Clinton und auch die aktuelle First Lady, Michelle Obama greift nach langem Widerstand zu seinen Kreationen, wenn es um die Garderobe bei großen Auftritten geht. Aber auch bei Filmstars sind die Entwürfe von Oscar de la Renta beliebt. Allen voran Penélope Cruz und Sarah Jessica Parker, zu denen auch eine private Freundschaft bestand.

Stil lässt sich nicht lernen, das Handwerk schon

Oscar de la Renta besuchte nie eine Modeschule, erlernte aber die Kunst der Schnitttechnik bei einer Schneiderin innerhalb von nur zwei Wochen und war der erste Amerikaner, der für ein französisches Modehaus designte. Zehn Jahre, von 1992 bis 2002 war er künstlerischer Leiter von Balmain. 2012 kritisierte er die Stars und deren Unsitte, sich als Designer zu versuchen, scharf. „Es ist ein Handwerk, das es zu erlernen gilt und nicht etwas, das man so nebenbei lernt. Es braucht Leidenschaft dazu und viel Gespür für Stil.“ Dieses Gefühl für Stil und seine Leidenschaft, Frauen zu Prinzessinnen zu machen, führte auch dazu, dass er zu den führenden Designern zu Brautmode wurde.

Von Frauenkleidern zum Interior

Er blieb seinem eleganten, femininen Stil stets treu, weshalb er auch zu den bedeutendsten Designern des 20. Jahrhunderts zählt. Zweimal erhielt er den Coty Fashion Critics‘ Award sowie den CDFA Womenswear Designer of the Year. 1990 ehrte ihn die CDFA mit dem Lifetime Award für sein Lebenswerk. Seinen einzigartigen Stil setzte er auch im Puntocana Resort in seiner Heimat wirkungsvoll um, als er die Einrichtung des Hotels übernahm. Große, offene Räume wurden mit kostbaren Stoffen ausgestattet. Inspirieren ließ er sich dabei, wie auch in der Mode, von der Farbpracht karibischer Blumen, kombiniert mit schlichter Eleganz in Weiß. Damit sich die opulente Eleganz nicht auf ein Hotel beschränkt, gehört zu seinem Unternehmen auch eine Interiorlinie.

Ein Modehaus in Familienbesitz

1969 verkaufte er sein Unternehmen an einen Konzern, um es nur wenige Jahre später wieder zurückzukaufen. Seit 1974 ist das Imperium, das längst nicht mehr nur Damenmode und Parfums herstellt, nun in Familienbesitz. Eines der wenigen in der Modebranche übrigens. Zweimal war Oscar de la Renta auch Präsident der CFDA. Von 1973 bis 1975 und ein Jahrzehnt später von 1987 bis 1989.

Seine populärsten Roben für die Stars

  • Das Brautkleid von Amal Alamuddin 2014
  • Robe von Sarah Jessica Parker für die Met Gala 2014, deren Besonderheit der Schriftzug des Designers war
  • Die Robe von Amy Adams bei der Oscarverleihung 2013 im typisch verspielt, eleganten Stil
  • Der bestickte Traum von Cameron Diaz bei der Oscarverleihung 2010
  • Ein Traum in Nachtblau für Oprah Winfrey für die Met Gala 2010
  • Schlichte Eleganz gepaart mit verspielten Details – das Brautkleid von Jenna Bush 2008
  • Hillary Clinton stahl ihrem Mann beim Amtseinführungsball 1997 die Show in einer funkelnden Robe
  • Lady Diana war ebenfalls ein großer Fan und in Erinnerung bleibt das schlichte Kleid mit hohem Beinschlitz, das mit unzähligen Perlen bestickt war

Groß, nicht nur in der Mode

Großartig waren nicht nur seine Abendroben, sondern auch sein soziales Engagement. 1982 gründete er ein Waisenhaus in der Dominikanischen Republik. Skandalfrei gestaltete sich auch sein Privatleben. Seine erste Ehe mit Francoise de Langlard trennte erst der Tod und auch seine zweite Ehe mit der deutschen Designerin Annette verlief abseits der Öffentlichkeit.
Oscar de la Renta starb am 20. Oktober 2014 in seinem Haus an den Folgen einer jahrelang dauernden Krebserkrankung. Die Welt hat einen der größten Modedesigner verloren, dessen Motto „sein Bestes zu geben, damit die Frauen gut aussehen“, in jedem Entwurf zu sehen war.

Bildquelle: Bigstock-ID: 3159170 by viczast