Blog

Magermodels – Was bedeutet Frankreichs Verbot für die Branche?


Dezember 21, 2015 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Model News


Magermodels sollen in Frankreich vom Laufsteg verbannt werden!
Für großen Wirbel sorgt die als Gesetz deklarierte Entscheidung der französischen Nationalversammlung zu den Magermodels. Hierbei geht es um den Straftatbestand der Anstiftung zur Magersucht. Jedoch ist Frankreich mit der Modemetropole Paris nicht das erste Land, dass sich dieser speziellen Problematik widmet. Spanien, Italien, Belgien und Israel sind bereits einen Schritt weiter. Auch hapert es in Frankreich noch bei den Durchführungsbestimmungen, die von einer Fachbehörde übernommen werden. Diese Behörde hat bis dato noch keine verbindlichen Kriterien veröffentlicht. Es ist lediglich bekannt, dass sich die zu erwartenden Kriterien auf den BMI stützen werden. Der Body-Mass-Index (BMI) wiederum bietet mit rund 20 kg eine sehr große Schwankungsbreite, in der sich das erlaubte Gewicht der Models bewegen kann. Angedacht ist ein BMI von 19 für weibliche Models und von 20 für männliche Models.

Der Body-Mass-Index und seine Ratio-Schwestern

Neben dem BMI spielen die Proportionen eines Körpers eine bedeutende Rolle. Daher setzt man häufig die Maße für Taille, Größe und Hüftumfang ins Verhältnis. Neben der Tatsache, dass lange Beine und deren Verhältnis zur Körpergröße als attraktiv gelten, sind sowohl das Verhältnis von Taillenumfang zu Körpergröße als auch das Verhältnis von Taillenumfang zu Hüftumfang von Bedeutung.

BMI

Zur Ermittlung des BMI wird im ersten Schritt die Körpergröße zum Quadrat genommen.Im zweiten Schritt wird das Körpergewicht durch das Ergebnis aus Schritt 1 dividiert. Aus gesundheitlicher Sicht liegt der optimale Wert beim BMI im Bereich von 18,5 bis 24.

WtHR

Bei der Berechnung der WtHR (Waist-to-Height-Ratio) wird der Taillenumfang durch die Körpergröße dividiert. Als ideal gilt eine Ratio, die maximal bei 0,5 liegt.

WHR

Beim WHR (Waist-to-Hip-Ratio) wird der Taillenumfang durch den Hüftumfang dividiert. Hier gilt eine Ratio von 0,7 als idealer Wert.

Ein paar interessante Maßangaben prominenter Damen zum Nachrechnen:

1. Heidi Klum Körpergröße 176 cm, Gewicht 56 kg, Maße 89-65-92
2. Gisele Bündchen Körpergröße 180 cm, Gewicht 60 kg, Maße 91-60-89
3. Kaiserin Sissi Körpergröße 172 cm, Gewicht 46 kg, geschnürte Taille 46 cm

Zum Inhalt des französischen Gesetzes für Magermodels

Es erklärt zunächst die „Anstiftung zur Magersucht“ zu einem Straftatbestand und verpflichtet gleichzeitig beide Vertragspartner zu Einhaltung der fachbehördlichen Festlegungen. Demzufolge müssen Models künftig ein ärztliches Attest besitzen, in dem ihnen grundsätzlich ein allgemeiner Gesundheitszustand bestätigt wird, der „mit dem Beruf vereinbar ist“. Dabei wird der BMI zum wesentlichen Kriterium zur Einschätzung des allgemeinen Gesundheitszustandes erhoben. Ob die Untergrenze letztlich bei einem BMI von 18,5 oder 19 für weibliche Models bzw. 20 für männliche Models liegt, wird die Fachbehörde noch verbindlich festlegen. Wer als Auftraggeber Models ohne dieses ärztliche Attest beschäftigt, macht sich strafbar. Die Strafe umfasst sechs Monate Gefängnis und eine Strafzahlung von 75.000 Euro.

Ein kritischer Blick auf die Realität

Der Grad zwischen der gefährlichen Magersucht und dem gertenschlanken Schönheitsideal in der Mode ist sehr schmal. Nicht jedes dünne Model ist krank. In Frankreich geht die Statistik von 30.000 bis 40.000 Magersüchtigen Männern und Frauen aus. Das Land hat rund 65 Millionen Einwohner, von denen rund 2 Prozent untergewichtig sind. Denen stehen auf der anderen Seite der Skala 16 Prozent Übergewichtige gegenüber. Das Gesetz hat im Hinblick auf die wirtschaftliche Bedeutung der französischen Modeindustrie seine Berechtigung. Im Mutterland der Couture stehen die internationalen Models unter noch schärferer Beobachtung. Und allzu oft war der Anblick der Laufstegschönheiten wenig erfreulich. Es gab erschreckende Todesfälle unter den Magermodels, die ihre Gesundheit und ihr Leben der Karriere wegen opferten. Um das Äußerste zu verhindern, ist nun dieses Gesetz geschaffen worden. Die Zukunft wird die Wirksamkeit des Gesetzes zeigen. Es bleibt abzuwarten, ob der BMI als Kernkriterium funktioniert. Lässt er doch bei einer Körpergröße von 175 cm eine Schwankungsbreite von 57 bis 77 kg Körpergewicht zu. Die Models werden sich wohl allesamt in Sachen Gewicht bei dem unteren Wert einpendeln.

Ist ein solches Gesetz auch in Deutschland vorstellbar?

Das ist grundsätzlich denkbar. Verschiedene Parteien haben die neuen, gesetzlichen Regelungen aus Frankreich bereits begrüßt und haben auch öffentlich gemacht, dass sie in Deutschland ein ähnliches Gesetz anstreben. Schon seit dem Jahr 2007 arbeitet die Initiative „Leben hat Gewicht“ des Bundesministeriums für Gesundheit an der Thematik Magersucht. Auch in Deutschland sind die Teenager besonders häufig von Essstörungen betroffen, da sie sich in einer turbulenten Lebensphase der Orientierung befinden und sich stark an ihren Idolen orientieren. Neben dem Bundesministerium für Gesundheit hat sich die deutsche Modewelt ebenfalls eindeutig zum Thema Magermodels positioniert. In der „Nationalen Charta der deutschen Textil- und Modebranche“ ist wie in dem französischen Gesetz der BMI (18,5) in Verbindung mit einem Mindestalter (16 Jahre) geregelt.
Bildquelle: bigstock-ID-103805936-by-igor-shmel
Komentare