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Die Mega-Shows 2015 – Trends für die Zukunft


März 16, 2015 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Mode


Die Sommerfarbe 2015 ist Gelb (Quelle: Bigstock-ID-18512030-by-RobWilson)

Beim Blick auf die Laufstege in Paris, Mailand, New York und London glaubt man fast an eine globale Fashion-Verschwörung. Wie sonst ist es zu erklären, dass wirklich alle namhaften Designer dieselben Trends ausrufen? Mit viel Retrocharme und der Powerfarbe Gelb läuten die Fashion Weeks aber auf jeden Fall einen strahlenden Sommer ein.

Kommando Gelb!

Die Trendfarbe des Sommers könnte passender eigentlich nicht gewählt werden. Von allen Laufstegen leuchtet Gelb in den verschiedensten fröhlichen Nuancen. Auch in New York zeigten etwa Michael Kors oder Oscar de la Renta bei der Fashion Week, wie man die Knallerfarbe jetzt trägt. Statt kränklicher Kreisch-Töne spielen die Nuancen ins Zitronige. Kombiniert mit Crop-Top und durchschimmernden Flatterkleidchen wirkt die Farbe lässig und straßentauglich. Ganz Farben-Mutige wagen sich jetzt sogar an den Komplettlook in Weiß. Ralph Lauren zeigte, dass der einstige No-Go-Look mit cleanen Schnitten und schmalen Silhouetten sehr wohl funktioniert. Ein anderes Riesenthema der Fashion Week ist Vichy-Karo. Dominierten im Winter noch Tartan-Plaids, wird jetzt das Schachbrettmuster aus den 50ern wieder herausgeholt. Ob niedlich verspielt im Brigitte-Bardot-Style, wie ihn Diane von Fürstenberg in New York zeigte, oder mit Grandezza bei Oscar de la Renta, ohne Vichy bzw. Gingham geht in diesem Sommer nichts.

Von Wanderschuh bis Galmoursafari

Was sich im Winter schon ankündigte, wird im Sommer das absolute Mode-Mantra: Bequemlichkeit ist Trumpf! Mit der Culotte zeigten viele Shows der Fashion Week, wie sich der ultraweite Dreiviertelschnitt der Hose trendy stylen lässt. Bei Delpozo in New York streckten asymmetrische Oberteile und Crop Tops die Silhouette zur Mega-Culotte (natürlich in Gelb!), edel schimmernde Blusen betonten die feminine A-Linie. Emporio Armani kombinierte bei der Fashion Week Mailand Dreiviertelhosen zu klobigen Herrenschnitten. An den Füßen sorgen klassische Trekking-Sandaletten für luftige Lauf-Entspannung. Damit es nicht zu öko wird, lockern Metallic-Farben und pfiffige Details den einstig verpönten Wanderschuh auf. Wem ein zu entspannter Look nichts ist, der macht es wie Ralph Lauren und geht auf Glamour-Safari. Mit edel glänzenden Seidenstoffen in natürlichen Grüntönen, kombiniert mit Parkas und Glitzertop, ist die Fashionista für den Großstadtdschungel gerüstet. Der allgegenwärtige Ethno-Touch mit Statementketten aus Naturmaterialien und hohe Keilsandalen mit Holzsohle dürfen da natürlich nicht fehlen. Für ein bisschen Strenge im Kleiderschrank sorgen dann im Herbst Utility- und Military-Anleihen. Große, zurückhaltend stylische Parkas und Militaryjacken waren etwa bei Marc Jacobs in New York das dominierende Style-Thema. Die Gäste staunten nicht schlecht, hatten sie bei der Kulisse doch etwas ganz anderes erwartet: Jacobs inszenierte seine Show in einem komplett pinken Haus. Das nennt man dann wohl Erwartungen positiv enttäuschen.

Auch mal ein bisschen abseits vom Mainstream

Britische Coolness und viele Avantgarde, dafür ist die Fashion Week in London berühmt. Auch in dieser und der nächsten Saison enttäuschen die Designer nicht. Von Tragbarkeit ist hier kaum die Rede, viel mehr geht es um das Ausprobieren künstlerischer Freiheit, der Designer wird zum Forscher mit Schneiderwerkzeug. Allen voran geht Jonathan Anderson, der sich bei seinem gefeierten Smashup-Look von Berlin kurz nach dem Mauerfall inspirieren ließ. Wilder Materialmix und eine verschwenderisch-anarchistische Version allgegenwärtiger Animal-Prints sind eher etwas für den Techno-Club, als für die Straße. In den Trendvierteln von Berlin und London sieht man aber schon die Rückkehr des Rave. Anderson ist also näher an der Tragbarkeit, als er wohl selbst vermutet.
Ganz anders ging es dagegen bei Mary Katrantzou zu. Mit opulenten Stickereien zitierte sie gleichzeitig:

  • Futurismus
  • Hippie
  • Viktorianisches Zeitalter

Und es funktioniert! Über den Laufsteg aus rosa Schaumstoff schwebten mehrlagige Volantröcke, Rüschenkragen aus Plastik oder Fellmäntel mit Pailletten. Damit bei all der scheinbaren Beliebigkeit der Look nicht albern wird, setzt Katrantzou auf zurückhaltende Schnitte. Bei Jonathan Saunders brauchten die Besucher schon fast einen Sonnenbrille, um bei all den optisch sehr lauten Mustern mit Siebziger-Anleihen nicht zu erblinden. Saunders’ Kollektion ließ eine gewisse Ironie nicht vermissen, doch um die Huldigung an die weibliche Silhouette, die auf jeder Fashion Week eine große Rolle spielte, kam auch er nicht herum.

Endlich wieder Frau sein!

Die diesjährige Fashion Week in Mailand schien ganz im Zeichen eines neuen, selbstbewussten Feminismus in der Mode zu stehen. Bei Dolce & Gabbana gab es süße Mutter-Tochter-Gespanne in passenden Kleidchen mit auffälligen fotorealistischen Blumenprints und typischer Twiggy-Silhouette oder klassischem Italien-Schwarz. Versace zitierte sich selbst und verlieh seinem traditionellen Muster ein Achtziger-Touchup auf langen, schmalen Kleidern. Besonders gespannt wurde Alessandro Micheles erste Damenkollektion für Gucci erwartet, doch wer auf den klassischen Traditionslook hoffte, wurde enttäuscht. Fransen auf glänzendem Schwarz, androgyne Schnitte und Siebziger-Prints flossen eher im Strom diesjähriger Trends mit, als sich an Gucci-Tugenden zu halten. Roberto Cavalli präsentierte indes seine (recht klassische) Interpretation von Ethno für Just Cavalli.  Nur auf Moschino war Verlass. Chefdesigner Jeremy Scott trieb den Modezirkus mal wieder auf die Spitze und zeigte mit schreienden Primärfarben auf 90er-Schnitten, Teddy Prints und Sportswear-Kleidern, was Moschino am besten kann: mit ein bisschen Albernheit auffallen. Der Sommer wird also gelb, gemütlich und weiblich. Im Herbst geht es zumindest gemütlich weiter, so sind sich wieder alle Designer einig. Dann werden wir uns auf kuschelige Teddy-Stoffe und übergroße Herrenschnitte freuen dürfen. Wenn die Ergebnisse der globalen Modeverschwörung nur immer so bequem wären.

Derek Zoolander und Ethnoflair!

Einen absoluten Coup landete diesmal Valentino. Nein, nicht mit seinen fließenden A-Linienkleidern und dem urbanen Hippie-Charme. Schauspieler Ben Stiller und Kollege Owen Wilson schlüpften bei der Valentino-Show in Paris wieder in ihre Männermodel-Rollen aus „Zoolander“, um für die Fortsetzung zu werben. Bei Stillers Powerblick „Blue Steel“ wurde die Mode fast zur Nebensache. An Hippie kommt in diesem Sommer aber keiner vorbei: Auch bei Chloé ging nichts ohne Flowerpower-Anleihen, während Kenzo eine mutige Mischung aus Ethnomode und Outdoor-Appeal zeigte. Großmeister Karl Lagerfeld ließ sich bei seiner diesjährigen Bombast-Inszenierung für Chanel von typischen Pariser Brasserien inspirieren und schickte seine Models in femininen Zitaten der 50er durch die Kulisse. Während es sonst wenig Neues gab, setzte die Niederländerin Iris van Herpen mit Schuhen aus dem 3D-Drucker und einem durchscheinenden Material aus Stahl ganz neue Maßstäbe in Sachen Futurismus. Bis zur Tragbarkeit solcher Mode wird aber noch ein wenig Zeit vergehen müssen.

 

Bildquelle: RobWilson/Bigstock.com