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Darf man als Model noch Pelz tragen?


Juni 18, 2014 Facebook Twitter LinkedIn Google+ Allgemein


Pelz ist in der Modewelt ein schwieriges Thema ( Bildquelle: George Mayer– Bigstock® )

Der tote Nerz um die Schultern einer Schönheit, die den Catwalk in Paris oder New York auf dem Laufsteg entlang stolziert. Ist das noch zu ertragen? Ist es moralisch bedenklich? Kann man das unterstützen oder gar kaufen?
Man kann. Mann kann nicht.

Doch genau hier trennt diese Antwort die Modebranche und Industrie, wie die der Models und Kunden, wie kaum eine andere. Das Tierrechtbewusstsein wird von jedem anders wahrgenommen. Es gibt keine Richtlinien oder gar gesetzliche Grundlagen. Der Mensch muss selbst entscheiden.
Einige untermauern die Unmenschlichkeit am Tier mit Protesten und einige wiederum halten dagegen mit kapitalschlagenden Verkaufsargumentationen. Was ist hier Recht und Unrecht? So unterscheidet sich das doch im Grunde nur darin, wie man seine Umwelt und insbesondere das Tier wahrnimmt. Pelz oder nicht Pelz? Das ist hier der moralische Scheideweg.

Wer macht mit und wer nicht?

Viele, viele Models stellen sich gegen den „echten Pelz. Sie laufen dagegen sogar auf der Straße und nicht dafür auf dem Laufsteg. Alena Gerber und auch Pop Ikone Madonna zum Beispiel. Bikini-Model Joanna Krupa hat erst kürzlich gegen Kim Kardashian (besitzt mehrere Modeboutiquen mit Pelz-Inventar, in den USA) eine Petition ins Leben gerufen. Dagegen und weiter pelzig laufen Heidi Klum und auch die als Model weniger bekannte TV-Ikone Barbara Schöneberger.
Dabei stoßen sie nicht selten auf böse bis sehr böse Kritik. Frau Klum musste sich sogar mit einer Protestaktion gegen den Fernsehsender PRO7 auseinander setzen, wegen ihrer Show „Germany’s Next Top Model„. Es gibt aber im Gegenzug auch mittlerweile zahlreiche, größere Organisationen, von Models ins Leben gerufen, die sich ganz klar gegen den Pelz aussprechen. Dazu wird ihnen der Rücken von Tierschutzvereinen und anderen Tierrechtlern gestärkt.

Ein Trend bewegt sich hin und her.

Aber wie verhält es sich mit den Modedesignern? Dort gibt es ebenfalls viele Anhänger, der „Mode ohne Pelz“. Harald Glööckler, Stella McCartney und Calvin Klein zeigen beispielsweise pelzfreie Kollektionen und setzen somit nicht nur Trends sondern auch klare Zeichen. Die Zeit hat sich geändert. Das Bewusstsein scheinbar erweitert. Wandelt es sich eindeutig immer mehr zum No-Go, was den Pelz betrifft?
Nebenbei bemerkt, verhält es sich ähnlich zum Wachstum der Veganer. Immer mehr Menschen verzichten auf das Tier. Streicheln, züchten, lieb haben und angucken – ja, aber es verwerten, nein!
Und nun kommt der große Widerspruch durch und in den Medien: Der Pelz feiert sein modisches Come-back!
Allein 2010 wurden laut Angaben der International Fur Trade Federation (IFTF) unglaubliche 14 Milliarden US Dollar mit Zobel, Nerz und Co umgesetzt. Wie kann das passieren? Nun, die Antwort darauf ist immer noch dieselbe: Der Mensch entscheidet selbst.

Das Tier ansich und um unsere Schultern.

Allein in China werden jährlich ca. 70 Millionen Nerze, Füchse, Marderhunde und auch rund zwei Millionen Hunde sowie auch Katzen für die Pelzproduktion gezüchtet und dann getötet. Bei dem Zuchtverhalten ist nicht so wichtig, ob es sich gegen das Recht des Individuums ausspricht. Die Länder und Tierpelz-Bauern ignorieren dies meistens oder viel besser noch, reden es sich schön. Angeblich halten sich alle Züchter, die Industrie, die Hersteller, und die Designer an die Richtlinien, die es aber im Grunde gar nicht gibt. Sie sind frei erfunden oder zumindest weitgehendst. Diese Richtlinien sind das Ergebnis von dem ureigenen wie individuellem Verständnis von Tierrecht und Kapital.

Wie weit das Image eines Models durch das Vorstellen und Tragen von Tierhäuten leidet oder nicht, lässt sich somit auch nur schwer bestimmen. Denn auch hier bleibt es jedem selbst überlassen. Am Ende zählt häufig nur das liebe Geld und natürlich die Schönheit und nicht das Recht des Tieres.
Viele Models argumentieren damit, dass man doch auch Lederschuhe trägt und auch Fleisch isst. Also warum keinen Pelz über die Schultern werfen? Das ist ein starkes Argument und das Dagegenhalten endet in unzähligen Verschachtelungen von Statistiken und kellertiefen Moralaposteln. Doch verhält es sich anders herum genauso. Pro und Kontra scheinen hier ungewöhnlich ausgewogen und auch wieder nicht. Und auch das rührt daher: Der Mensch entscheidet selbst.

Ende gut alles gut?

Es gibt speziell kein Model, welches in dem Sinne seinen Job verloren hat, weil es mit einem toten Rotfuchs um den Hals irgendwo gesichtet wurde. Doch sicherlich werden Models, Agenturen, Designer und Züchter immer wieder in das Kreuzfeuer von Menschen geraten, die dagegen sind. Wir müssen eben selber sehen, wie weit wir uns für oder gegen etwas aussprechen und stark machen. Doch interessant ist doch, dass es bis heute keine Demonstration von Models gab, die sich für das Tragen von Pelzen aussprach. Da scheint es dann doch an Argumenten in der Masse zu fehlen. Am Ende aber gibt es nur einige Kreaturen, die ganz bestimmt dagegen sind und deren Namen braucht man wohl nicht zu erwähnen.